Peroxisomale Krankheiten

Die Leukodystrophien, die zur Gruppe der peroxisomalen Krankheiten gehören, sind genetisch bedingte Krankheiten, die durch eine Fehlfunktion der Enzyme der Peroxysomen gekennzeichnet sind. Peroxisomen sind spezialisierte Zellstrukturen, die kein Genom besitzen. Sie sind für die Entgiftung der Zelle und insbesondere für den Abbau von besonders langkettigen Fettsäuren zuständig. Die Fehlfunktion der Peroxisome führt zur Anhäufung bestimmter Moleküle in den Zellen, die Ursache der Krankheit sein können. Zu dieser Krankheitsgruppe gehören:

  • Die Adrenoleukodystrophie/Adrenomyeloneuropathie
  • Morbus Refsum bei Erwachsenene
  • Die Krankheiten des Zellweger-Spektrums, auch bekannt als Krankheiten mit mangelnder Ausbildung der Peroxysome, d.h.:
    • Das Zellweger-Syndrom
    • Die neonatale Leukodystrophie
    • Der infantile Morbus Refsum



Lysosomale Krankheiten

Die Leukodystrophien, die zur Gruppe der lysosomalen Krankheiten gehören, sind genetisch bedingte Krankheiten, die durch eine Fehlfunktion der Enzyme des Lysosoms gekennzeichnet sind. Das Lysosom ist eine spezialisierte Zellstruktur, die zahlreiche Enzyme enthält und für den Abbau und die Wiederverwertung der Nährstoffe zuständig ist. Eine Fehlfunktion des Lysosoms führt zur Anhäufung bestimmter Nährstoffe, die Ursache der Krankheit sein können.


Zu dieser Krankheitsgruppe gehören zwei Leukodystrophien:



Orthochromatische Leukodystrophien

Die orthochromatischen Leukodystrophien umfassen eine heterogene Gruppe von Leukodystrophien mit einer diffusen Beeinträchtigung der weissen Substanz des Gehirns mit einer im MRI sichtbaren Dilatation. Zu dieser Gruppe gehören:



Leukodystrophien mit Hypomyelinisierung

Die Leukodystrophien mit Hypomyelinisierung sind Erkrankungen der weissen Substanz mit einem permanenten Myelin-Defizit im Gehirn. Zu dieser Gruppe gehören:

  • Die Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit
  • Die Pelizaeus-Merzbacher-ähnliche Krankheit
  • Die spastische Paraplegie 2
  • Leukodystrophien mit Polymerase III
  • Atypische Leukodystrophien


Diese Gruppe von Leukodystrophien umfasst atypische Leukodystrophien, die nicht in die bestehenden Kategorien aufgenommen werden konnten, wie beispielsweise:

 

Unbekannte Krankheiten

Die unbekannten Leukodystrophien umfassen Krankheiten, bei denen das verantwortliche Gen noch nicht identifiziert worden ist, oder die Identifizierung im Gange ist. Rund 30 % der Leukodystrophien gehören in diese Kategorie.

Die Leukodystrophien unbekannter Ursache sind äusserst seltene Krankheiten, deren Diagnose sehr schwierig ist. Dazu zählen:

  • Die pigmentierte Form der orthochromatischen Leukodystrophie
  • Die Leukodystrophie mit progressiver Ataxie, Schwerhörigkeit und Kardiomyopathie

In den meisten Fällen sind die Krankheiten so selten, dass es schwierig ist, ihnen einen Namen zu geben.

 

Weitere Informationen:

Die schwierige Diagnose der unbekannten Leukodystrophien

Die Magnetresonanztomographie (MRI) ermöglicht es, das Gehirn zu erforschen und Veränderungen der weissen Substanz aufzuzeigen. Die Diagnose der Leukodystrophie unbestimmter Ursache wird nach dem Eliminationsprinzip erst dann gestellt, wenn ähnliche Krankheitsbilder ausgeschlossen werden können.

Dabei dürfen sie nicht mit anderen Krankheiten verwechselt werden, die nicht zu den Leukodystrophien zählen, wie beispielsweise:

  • Anomalien der weissen Substanz nicht genetischer Ursache, die kreislauf-, infektions-, vergiftungs- oder entzündungsbedingt sind,
  • Veränderungen der Signale der weissen Substanz, die in zahlreichen genetischen Krankheiten, insbesondere Stoffwechselerkrankungen, ohne primären Myelinmangel, auftreten.


Wenn diese Ursachen durch den klinischen Kontext, MRT und andere spezifische Untersuchungen meist ausgeschlossen werden können, so bleiben in manchen Fällen doch Zweifel bestehen. Denn die Leukodystrophien, die aufgrund von erblichen Störungen bei der Formung von Myelin des zentralen Nervensystems auftreten, zeigen sich in der Kindheit nicht als progressive Erkrankungen, obwohl gewisse während des antenatalen oder perinatalen Zeitraums erworbene zerebrale Läsionen entwicklungsfähig erscheinen können, weil sie während der Reifung des Gehirns sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Sie dürfen auch nicht mit den bekannten Leukodystrophien verwechselt werden. Gewisse Leukodystrophien haben biochemische Marker, die es ermöglichen, sie durch eine Blut- oder Urin-Analyse oder sogar Zerebrospinalflüssigkeit zu identifizieren. Sie müssen systematisch untersucht werden, bevor die Diagnose Leukodystrophie unbekannten Ursprungs gestellt werden kann, auch wenn ihre Manifestationen, vor allem je nach Alter des Patienten, sehr unterschiedlich sein können. Andere Leukodystrophien werden durch ein Bündel von Elementen aus dem Krankheitsbild, der genetischen Übertragungsart und insbesondere den radiologischen (Scanner und MRI) und elektrophysiologischen Untersuchungsergebnissen erkannt. Eine Nervengewebe-Biopsie kann ebenfalls aufschlussreich sein. Eine strenge Untersuchung, die Beobachtung der weiteren Entwicklung und die Wiederholung von Schlüsseluntersuchungen sind für die Charakterisierung einer Leukodystrophie unbekannten Ursprungs erforderlich. Für Patienten, die an einer Leukodystrophie unbekannten Ursprungs leiden, ist die Rolle der Familien entscheidend: Um diese extrem seltenen Krankheiten besser verstehen zu können, müssen sie Informationen austauschen, sich unter Betroffenen organisieren und den Kontakt zu den Forschern suchen.